Die deutsche Definition
Die Bundesärztekammer verwendet heute den Begriff irreversibler Hirnfunktionsausfall (IHA). Gemeint ist der endgültige, nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm. Die geltende Richtlinie ordnet diese Feststellung der Todesfeststellung in der Intensivmedizin zu. Das Transplantationsgesetz verlangt diesen Nachweis als Voraussetzung für die postmortale Entnahme vermittlungspflichtiger Organe.
Warum sieht ein hirntoter Mensch nicht „tot“ aus?
Beatmung führt Sauerstoff in die Lunge. Solange Kreislauf und Herzfunktion aufrechterhalten werden, bleibt die Haut häufig warm, der Brustkorb hebt und senkt sich, es kann Puls tastbar sein und Urin gebildet werden. Diese äußere Erscheinung ist einer der Gründe, warum Angehörige die Situation oft schwer begreifen können.
Das Herz besitzt einen eigenen Schrittmachermechanismus und braucht für jeden einzelnen Schlag kein Signal aus dem Gehirn. Ohne künstliche Beatmung und intensivmedizinische Stabilisierung würde der Kreislauf nach vollständigem Hirnfunktionsausfall jedoch nicht dauerhaft erhalten bleiben.
Ist Hirntod dasselbe wie Koma?
| Zustand | Bewusstsein | Hirnstammfunktionen | Spontanatmung | Reversibilität |
|---|---|---|---|---|
| Koma | nicht nachweisbar | können erhalten sein | kann vorhanden sein | je nach Ursache möglich |
| Wachkoma / Syndrom reaktionsloser Wachheit | keine sichere bewusste Reaktion | grundsätzlich erhalten | meist vorhanden | teilweise möglich |
| Irreversibler Hirnfunktionsausfall | vollständig erloschen | vollständig erloschen | keine | per Definition ausgeschlossen |
Ist der Hirntod „der Tod“ oder nur eine Entnahmevoraussetzung?
Medizinisch vertritt die Bundesärztekammer die Position, mit dem IHA sei naturwissenschaftlich-medizinisch der Tod des Menschen festgestellt. Juristisch ist die Lage sprachlich etwas feiner: § 3 TPG verlangt sowohl die Feststellung des Todes nach Regeln des medizinischen Erkenntnisstands als auch den Nachweis des endgültigen Ausfalls von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages haben darauf hingewiesen, dass daraus nicht zwingend eine einheitliche Todesdefinition für die gesamte deutsche Rechtsordnung folgt.
Was ist mit Schmerz?
Nach dem offiziellen medizinischen Verständnis ist bewusste Schmerzwahrnehmung bei vollständig und irreversibel ausgefallenem Gehirn nicht möglich. Dennoch können Rückenmarksreflexe erhalten sein; dadurch sind Bewegungen oder Veränderungen von Blutdruck und Herzfrequenz möglich. Solche Reaktionen werden nicht als Zeichen von Bewusstsein gewertet.