Was noch funktionieren kann
Der Körper ist kein System, das an einem einzigen Schalter hängt. Viele Organe besitzen lokale Steuermechanismen. Das Herz kann selbst elektrische Impulse erzeugen; Nieren können bei ausreichender Durchblutung Urin produzieren; Wundheilungs-, Immun- und Stoffwechselprozesse können weiterlaufen.
Was mit dem gesamten Gehirn erloschen ist
Mit dem irreversiblen Ausfall von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm sind Bewusstsein, Wahrnehmungsverarbeitung, zentrale Atemsteuerung und die im Hirnstamm vermittelten Reflexe erloschen. Nach der geltenden medizinischen Position ist damit auch bewusste Schmerzempfindung ausgeschlossen.
Warum können trotzdem Bewegungen auftreten?
Das Rückenmark kann Reflexbögen ohne Beteiligung des Gehirns auslösen. Dadurch sind Zuckungen, Bewegungen von Armen oder Beinen und vegetative Veränderungen möglich. Gerade im Operationssaal kann das dramatisch aussehen. Die offiziellen deutschen Informationen ordnen solche Reaktionen als spinale Reflexe ein und nicht als bewusste Schmerzreaktionen.
Temperatur, Hormone und Kreislauf sind medizinisch anspruchsvoll
Nach dem Ausfall des Gehirns können zentrale Regulationssysteme zusammenbrechen. Blutdruck, Temperatur, Flüssigkeits- und Hormonhaushalt müssen daher intensivmedizinisch überwacht und gegebenenfalls mit Medikamenten, Infusionen und Beatmung stabilisiert werden. Ziel ist – sofern eine Organspende gewollt und zulässig ist – die Funktionsfähigkeit der Organe bis zur Entnahme zu erhalten.
Schwangerschaft als Grenzfall
Seltene Fallberichte zeigen, dass bei einer hirntoten Schwangeren eine Schwangerschaft unter maximaler Intensivtherapie zeitweise fortgeführt werden kann. Das ist kein Hinweis auf erhaltenes Bewusstsein; es zeigt vielmehr, dass Plazenta, hormonelle Systeme und der fetale Organismus teilweise unabhängig von Gehirnfunktionen der Mutter weiterarbeiten können.